Geschichte lernen in Auschwitz?! Geschichte und Ertrag von Schulexkursionen nach Oswiecim

 

Gedenkstätten an den Nationalsozialismus erfüllen für unsere pluralistische Gesellschaft vielfältige Aufgaben, so die gesellschaftliche Annahme. Zahlreiche Politiker, aber auch Vertreter jüdischer Institutionen, haben in dieser Argumentationslinie in den letzten Jahren dafür plädiert, schulische Besuche in Gedenkstätten verpflichtend in den Curricula zuverankern. Fahrten nach Dachau, Buchenwald oder Bergen-Belsen sollen also Demokratiebildung fördern, Fremdverstehen unterstützen und Antisemitismus vorbeugen.  Noch besser wäre es natürlich, so die öffentliche Debatte, wenn die Jugendlichen nach Auschwitz reisen würden. Am Ort des größten Verbrechens, so die Hoffnung vor allem der Kultuspolitik in NRW, müsse der größtmögliche Lernertrag möglich sein. Wissenschaftliche Studien, die Grundlage für diesen Optimismus sein könnten, fehlen allerdings bislang noch völlig. Ziel des Projekts ist es, den singulären Quellenkorpus von Reisedokumentationen von Schülerinnen und Schülern auszuwerten. Gefragt wird also, was Schülerinnen und Schüler lernen, wenn sie Schulexkursionen zur Gedenkstätte Auschwitz unternehmen.

 

Ertrag der Arbeit soll es sein, zu überprüfen, ob die hohen gesellschaftlichen Erwartungen in die Fahrten (auch nur in Ansätzen) erfüllt werden. Um dies zu klären, soll zunächst ein Blick in die Genese der Schulexkurisonen zur Gedenkstätte Auschwitz-Birkenau vorgenommen werden. Seit 1980 fahren (westdeutsche) Schülerinnen und Schüler dorthin, die Zielsetzungen der Fahrten schwankten sehr stark und geben Aufschluss über die politische Intention, die zur Förderung derartiger Projekte beitrug.

 

Kern des Projekts ist aber die Analyse der Berichte, die von Lernenden zwischen 2010 und 2017 erstellt wurden. Dies soll nach hermeneutischen Prinzipien erfolgen, zugleich werden qualitative Untersuchungen den Zugriff ergänzen. Dabei ist daran gedacht, Exkursionsteilnehmer vergangener Jahre in Interviews nach dem langfristigen Ertrag der Fahrten zu befragen und diese Interviews auszuwerten.